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„Unterirdisch schlecht!“ … „Alte Witze aus der Mottenkiste“ … „Darmspiegelung der Republik“ … „kärntenfeindlicher Müll“ … „Horden wildentschlossener Laien auf der Bühne“ … „schweißglänzende eintrankelte VIPs und VUPs im Saal“ … “Steinzeitfernsehen” … vor allem in den sozialen Netzwerken hagelt es teils verheerende Kritik an der 2018er-Show der Villacher Narren … Was es das?

Lang ist’s her, dass ich mir die komplette TV-Übertragung eines Villacher Faschings angesehen habe … bereits etwas entnervt durch das altbackene “Narrisch Guat” (best of) einige Tage davor … nicht nur die TV-Quoten sprechen eine deutliche Sprache, auch das eigene Urteil hat – zumindest persönlichen – Stellenwert. Hier eine Bestandsaufnahme und Eindrücke eines “Provinznarren” … als Ausdruck (s)einer rein persönlichen Meinung (!!!) zum heurigen Villacher Fasching.

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Wer in 15 Jahren nachweislich die Hälfte der Zuseher verliert, dazu noch im Zuge von (für Außenstehende kaum durchschaubaren) Querelen hinter dem Narrenvorhang eine seltsame Form von “Selbstreinigung” betreibt und als Player in der “Champions League der Faschingsgilden” dazu noch auf eine Schar merklich amateurhafter Debutanten setzt, darf sich ob scharfsinniger Kritik nicht wundern.

Die wenigsten Zuschauer aller Zeiten saßen kürzlich vor den Flimmerkisten und wurden Zeugen nicht unbedingt berauschenden Ideenreichtums. Von “alter Stärke”, “gut” und “neu”, “zeitgemäß” und “innovativ”, wohl kaum zu reden! Dementsprechend giftig gestaltete sich manch Leserbrief hierzulande:

“Mit den Narren aus Villach ist es wie mit Rosinen – man mag sie, oder man mag sie nicht. Die schlechteste Quote aller Zeiten (im Durchschnitt 1,056 Millionen) zeigt: Immer weniger mögen Rosinen. Wer Dienstag in die Sendung zappte, wird sich kaum wundern: Alte Witze aus der Mottenkiste, Kalauer mit Fremdschäm-Potenzial, 10.000-mal Lei-Lei und das Gefühl, die Zeit sei ungefähr in den 60ger-Jahren stehen geblieben. Nummer auf Nummer abzuspielen, alle schier endlos und fad, das ist in Zeiten von Streaming-Plattformen, von YouTube, Netflix, Amazon & Co. ganz einfach Steinzeitfernsehen. Okay, das Olympiastudio in ORF eins war durch Marcel Hirscher und seine Goldene eine harte Konkurrenz.” (Villacher Fasching (ORF 2) – Zum lachen? Zum Weinen? In: Kronenzeitung, TV-Kritik, 15. 02. 2018, S. 70)

Auf Twitter fällt eine Userin ein besonders hartes Urteil: “Das ist so unterirdisch schlecht. Niemand kann so einfältig sein (…), diesen Blödsinn, (…) diesen frauenfeindlichen, männerfeindlichen, minderheitenfeindlichen und in der Konsequenz kärntenfeindlichen Müll lustig zu finden’”.
Link zur Quelle

Jeder, der bei dieser Art von Fasching lachen könne, möge sich ernsthaft Gedanken über seinen Humor machen, meint eine weitere Kritikerin: “Sogar mein Opa findet es öd. (…) Das Traurigste am Villacher Fasching sind nicht die von der UNO zur humorbefreiten Zone erklärten Horden wildentschlossener Laien auf der Bühne, sondern die schweißglänzenden eintrankelten VIPs und VUPs im Saal.” (Ebd.)

Jetzt aber zu einigen rein persönlichen Gedanken:
Einen EU-Bauern Manfred Tisal aufgrund von Flüchtlings-Postings auf Facebook und der Erreichung des Pensionsalters (offizielle Begründung!!!) nach 28 Jahren narrentechnischer Meisterschaft derart unsanft in die Wüste zu “verabschieden”, bleibt natürlich nicht ungestraft. Da nützt es auch nichts, mit Tanja Karl eine über 20 Jahre bühnerfahrene “Ersatzspielerin” in die Schlacht zu werfen. Solche Kompromisse verzeiht keine gute Show … was auch Frau Karl im Nu erkannte und als “Seinige vom Meinigen” zur frühzeitigen Selbstaufgabe motivierte. So kann EU-Bauer Tisal heute ruhigen Herzens von sich behaupten, als ehemalige Säule des Villacher Narrentums und grandios schauspielender und im Besitze fast heroischer Spitzzüngigkeit befindlicher Denker genauso unnachahmbar wie unentbehrlich zu sein. Welche Rolle das mehrfache Moderieren im Rahmen von FPÖ-Wahlveranstaltungen beim kurios anmutenden Bühnenabschied des EU-Bauern spielte, mag der ORF selber wohl am besten zu beantworten. Das plötzliche Einstellen von Tisals “Kuhmentaren” im  Sendeprogramm mag gewiss nicht aufgrund schleppender Milcherzeugnis vonstatten gegangen sein und lässt unweigerlich den Verdacht eher politischer Fernsteuerung aufkommen.

Nach wie vor überlebenswichtig bei der Villacher Gilde scheint einmal mehr Manfred Obernosterer. Wenngleich dessen erste Nummer “Probenchor mit Söhnen” (zusammen mit Andreas Scherer, Michael Novak und Arno Kohlweg) weit weg vom “Gelben des Eies” war, kann wenigstens der Solo-Auftritt als boxender Einfaltspinsel “Noste” als wirklich gelungen bezeichnet werden. In einer derart abgelutschten Rolle Jahr für Jahr Komisches und Originelles auf die Bretter zu zaubern, erfordert einen belastbaren Geist und langen Atem.

Erholsam volkstümlich und gerade so, wie es halt im realen Leben wirklich zugeht, ist der Beitrag des  Alltag-geplagten Ehepaares Franz Kleinbichler und Sonja Juchart gehalten. In “Ehe-Al dente” wechseln kurze, pfiffige Wuchteln einander im 10-Sekunden-Takt ab, wenig Spuren von Abnützung und Einfallslosigkeit, ganz im Gegenteil: Die zwei Jahrzehnte andauernde Bühnenehe tut dem erwartungsvollen Fußvolke merklich gut, da der Diskurs natürlich und authentisch drüberkommt und auf das ansonsten überhandnehmende Idiotengehabe verzichtet. So einfach ist die Sache, und gleichermaßen schwierig, wenn man – wie Andere – den Boden von “Hirn & Herz” verlässt.

Durchwegs positiv und auflockernd wirken auch die vermehrt ins Programm genommenen Tanz- und Akrobatik-Nummern (der Garde und des Turnvereins). Flotte, fesche und sportive junge Menschen sieht vor allem in unserem Fitness-Zeitalter jedermann gerne. Dass man durch zu viel dieser Übergangsnummern aber auch über ein Fehlen geschliffener, guter Text-Beiträge hinwegtäuschen will, ist selbst für Glasaugenträger relativ rasch erkennbar. Daran kann auch die immer seltener im Hintergrund werkelnde Big Band nichts ändern. Deren klingendes “Endergebnis” ist eher eine Empfehlung für musikalisch ungeschulte Ohren. Wer nicht einmal in der Lage scheint, die Instrumente auf Wohlklang zu stimmen, fügt dem Hörer Schmerzen zu. Nicht weniger ein Tonmeister, dessen Vorstellung von “Live-Sound” einmal gehörig auf den Prüfstand gehört. Diesbezüglich ist ein Reinhören bei den deutschen Nachbarn in Mainz oder auch Köln ratsam!

Langatmig und nach frischen Schmähs suchend, wirkt der “Männerabend” mit Hans-Jörg Petrik als Fitness-Fan und Muttersöhnchen Kuno Kunz. Sehr oft an der Grenze zur Langeweile, hätte diesem 17-Minuten-Sketch eine fetzige Kurzversion sicher gut getan.

Ansonsten brachte die 2018-Show im ausverkauften Villacher Congress-Center zwar eine Reihe unverzichtbarer, auch bei Langeweile brav lachender “Promis” und neuer Bühnengesichter. Zu beabsichtigten alten Stärke aber konnte man nicht wirklich finden. So vermochte auch Prangerredner Aleksander Unterweger als “Elektriker” nicht, echt heiße Kohlen aus dem Feuer holen. Am ehesten noch das altbewährte und nach wie vor ulkige Komik-Face Hannes Höbinger mit Heike Schaflech und Stefan Gaggl in “Haarspaltereien”. Der Rest wie “Gute Nacht,Österreich” – “Verzogen” – “Null null 3”  etc. ist – zumindest für mein Dafürhalten – Regionalliga-Fasching. Einfach nur Durchschnitt und als solcher streit- und hinterfragwürdig.
.  Wer schreibt diese Nummern?
.  Wer zahlt für solcherlei Mittelmaß?
.  Wer lässt intern all den Durchschnitt zu?

Wir von den kleinen, aber hochmotivierten und kritikfähigen Provinzgarden, haben es da leichter. Wir lassen ein breiteres Spektrum des Humors zu: Satire, Pantomime, unterhaltsame Medleys zum Mitsingen, heimatbezogene, einfache Sketches. Auf Eines allerdings bestehen wir: Einen guten Sound zeitgemäßer und fetziger Showmusik und eine zügige, pfiffige Abwicklung. Vor allem schreiben wir mit einem Bauchgefühl für den Humor der breiten Masse unsere Nummern selber! Natürlich gelingt das nicht jedes Jahr gleich perfekt, natürlich machen wir Fehler und können nicht “aus unserer Haut” heraus. Das alles scheint aber weit erträglicher, als sich von einem öffentlich-rechtlichen Staatsfernsehen abhängig zu machen und, wie nicht selten vorgekommen, die eigenen Nummern hirn- und geschmacklos und den Inhalt missachtend auf eine Standard-Sendelänge zusammenschneiden zu lassen, nur, um einmal bei “Narrisch guat” stattfinden zu dürfen. Wen wundert bei alledem die Flut an Negativkritik, wie sie kürzlich in einem heimischen Tagesblatt zu lesen: “(…) irgendwas ist immer. Außer die Villacher, wenn sie nicht bald in der Gegenwart ankommen. Sonst sind sie nimmer.” (Villacher Fasching (ORF 2) – Zum Lachen? Zum Weinen? In: Kronenzeitung, TV-Kritik, 15. 02. 2018, S. 70)

Fazit:
Arbeit genug für Neo-Kanzler Kuno Kunz und Regisseur Volker Grohskopf, sich endlich von der Tretmühle eines einförmigen Idiotenfaschings zu verabschieden, bei dem sich leider Gottes immer mehr ausgestopfte Knallfrösche und 10-Dioptrien-Brillenträger mit hochgestülpten Hosenröhren tummeln und auf Kosten des Publikums eine halblustige Freizeitbeschäftigung betreiben, welche der zwangsbeglückte TV-Seher dem ORF (und wohl auch den Villacher Narren) nicht mehr allzu lange verzeihen wird.

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Walter Widemair
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