© Plakat: TK Steinfeld bzw. Porträt Erich Kramer: Daniel Weiß/Studio schwarzweiss
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Das bevorstehende 48. Frühjahrskonzert der TK Steinfeld am kommenden Samstag schraubt die Erwartungen der Blasmusikfans hoch … konsequentes und intensives Proben pflastern den Weg hin zur Bewältigung eines anspruchsvollen Programmes … das heimische Orchester ist bestens aufgestellt … wie schafft das ein junger Frontmann? … Kapellmeister Erich Kramer steht Rede und Antwort

Hallo Erich!

Du bist ja auswärts – wo absolvierst du welche Ausbildung?
Ich habe meine zweite Heimat in der Steiermark gefunden. Ich studiere an der Montanuniversität Leoben und habe mich nach einer planmäßigen eineinhalbjährigen technischen Basisausbildung auf das Fach Industrielogistik spezialisiert.

Bist du an deinem Studienort selber noch in musikalischer Ausbildung? In welchem Fach?
Nein, unter der Woche schalte ich weitestgehend von der Musik ab, da mein Beruf nicht Musiker, sondern Student ist. Trotzdem bleibt gelegentlich die Zeit, bei der Bergkapelle Leoben/Seegraben mitzuspielen.

Hast du neben dem Studium noch ausreichend Zeit zum Üben?
Es bleibt immer Zeit, wenn man sie sich nimmt. Im Moment konzentriere ich mich vorrangig auf das Dirigieren. Trotzdem ist es mir ein Anliegen, meine Trompetenkenntnisse nicht zu verlieren, daher übe ich natürlich noch immer Trompete, aber hauptsächlich, um so gut wie möglich das Niveau zu halten.

Wo hast du dirigieren gelernt?
Ich glaube, wie bei jeder Sache kann man etwas nie komplett erlernen. Man fügt Bausteine aneinander, übt, lernt weiter … und hört tatsächlich nie auf, dazuzulernen.
Meine Grundkenntnisse habe ich bei Mag. Pircher Hans in Lienz erworben. Dann führte mich meine Reise nach Klagenfurt zu Mag. Andreas Schaffer und Mag. Margret Hillepold nach Lind. Seit diesem Jahr freut es mich ganz besonders, beim deutsch/schweizerischen Profidirigenten Tristan Uth regelmäßig alle zwei Monate 3-Tagesmodule absolvieren zu dürfen. In ihm habe ich einen Meister gefunden. Jung, emotional und für mich fachlich unter den besten Allround-Dirigenten Europas. (Sinfonieorchester, Brassband, Blasorchester….). Er öffnet mir ganz neue Wege. Letztens durfte ich unter seiner Anleitung und zu unser beider Gefallen das „Collegio per sonare“ (Kulturtage 2017) dirigieren, welches Dvoraks Bläserserenade spielte.

Seit wann leitest du die TK Steinfeld?
Ich leite die Trachtenkapelle seit gut 2 Jahren.

Wieviele aktive Mitglieder hat die TK?
Die Trachtenkapelle Steinfeld hat im Moment um die 58 Mitglieder (inkl. Marketenderinnen).

Was sind deine (musikalischen und restlichen) Ziele mit der heimischen Blasmusik?
Auf kurze Sicht möchte ich heuer ein für das Publikum interessantes Frühjahrskonzert spielen bzw. ein gutes Ergebnis bei der diesjährigen Konzertwertung erzielen und die Trachtenkapelle im vorderen Bereich der Kapellen positionieren.
Langfristig möchte ich bzw. wir als Gemeinschaft die Trachtenkapelle langsam und natürlich in der Breite stärken und so der Bevölkerung von Steinfeld eine gute Qualität und ein breites Repertoire bieten. Mein persönliches Ziel ist, bei jedem Musiker in der Kapelle die große Freude an bzw. die Begeisterung für die Musik zu erwecken. Der Rest kommt von alleine.

© TK Steinfeld
Kpm. Erich Kramer mit seinem Vorgänger und Vize Franz Wirth: Eine tolle Truppe … viel Jugend und Begeisterung … ein musikalisches Vorzeigeprojekt! – © TK Steinfeld

Wann könnt ihr mit der TK proben?
Wir proben jeden Freitag bzw. vor Konzerten zusätzlich an Sonntagen.

Hast du, wenn es zeitliche Engpässe gibt, einen Vertreter, der vor Ort ist und die Proben für dich leitet?
Ja. Wir sind auch organisatorisch in der Kapelle blendend aufgestellt, was mir sehr zugute kommt. Wenn ich ein zeitliches Problem habe, kann ich mich durch ein kurzes Telefonat schon auf meinen Vizekapellmeister Franz Wirth verlassen.

Welche musikalischen Schwerpunkte werden bei der TK allgemein gesetzt?
Für mich als Kapellmeister habe ich ein Credo: Die Besten fordern und die Musiker, die Hilfe benötigen, fördern. Schwerpunkt unserer Arbeit ist es, gute und anspruchsvolle Musik für die Bevölkerung, aber auch für uns, zu machen.

Nach welchen Kriterien hast du das heurige 48. Frühjahrskonzert-Programm erstellt?
Grundsätzlich habe ich das Konzert an das Motto „Durch Raum und Zeit“ angelehnt. Wir werden im Programm von Steinfeld bis nach Russland und vom Mittelalter bis in die Jetztzeit gehen. Mit „Terra Pacem“ und „Giacomo“ habe ich zwei Höchststufen-Stücke ausgewählt, welche das Publikum bzw. unsere Musiker noch nicht oft gesehen/gehört haben wewrden. Eines kann ich verraten: Wir haben es geschafft!

© TK Steinfeld
© TK Steinfeld

Video „heimliche Aufnahme unserer Probe!“

Heimliche Aufnahme unserer Probe!Nächsten Samstag 20:00 Uhr Frühjahrskonzert der TK Steinfeld.Dieses Konzert wird wirklich besonders. #wirsindandaslimitgegangen #freudebeidermusik

Posted by Trachtenkapelle Steinfeld on Sonntag, 18. März 2018

Wie siehst du die zukünftige Blasmusikentwicklung allgemein? Wie die Perspektiven für unsere Heimatgemeinde?
Die Entwicklung der Blasmusik ist im Moment enorm. Das Niveau steigt unaufhörlich. Im Oberen Drautal hat jede zweite Kapelle bereits über 50 Mitglieder. Der Blasmusikverband leistet beste Unterstützungsarbeit.
Fazit: Blasmusik ist bei Jung und Alt im Trend! Ein Beispiel dafür ist das Woodstock der Blasmusik in Oberösterreich, wo 25.000 junge sowie junggebliebene Musiker jedes Jahr hinpilgern, um Blasmusik zu hören und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Aus meiner Sicht sieht es derzeit sehr gut aus. Wir leisten im Jugendbereich gute Arbeit und werden auch von der Gemeinde dankenswerterweise stark unterstützt.

Geht sich dein intensives Engagement zusammen mit „edelBlech“ zeitlich noch aus? Welche Ziele hast du mit dieser Gruppe im Visier?
Wenn man will, geht alles! Natürlich gibt es zeitliche Probleme, da wir mit „edelBlech“ ja auch um die 30 Auftritte und Projekte in Österreich, Deutschland, Südtirol/Italien und der Schweiz haben, aber mit einem guten Zeitmanagement geht alles. Diesbezüglich habe ich gewisse organisatorische Verantwortlichkeiten wie die Finanzen oder Bus/Hotel-Reservierungen an meine Kollegen abgebeben. Großes Ziel ist es auch heuer, beim internat. Blasmusikfestival in Südtirol unter die Top 3 zu kommen. Beim letzten Wettbewerb durften wir als Sieger in der Mittelstufe heimfahren, heuer ist die Oberstufe unser Ziel.

Hast du überhaupt noch Zeit für ein privates Leben?
Musik ist nicht mein Beruf, deswegen gehört die Musik zu meinem privaten Leben. Mein Freundeskreis besteht aus sehr vielen Musikern, wodurch sich die Musik und freundschaftlicher Gedankenaustausch von selbst ergeben. Manche Freunde treffen sich im Kaffeehaus, ich treffe meine Freunde im Probelokal. Für Zeittotschlagen wie Fernsehen oder Mittagsschläfchen, bleibt in meinen derzeitigen Leben wenig Freiraum … was ich sehr begrüße!

© Daniel Weiß/Studio schwarzweiss
© Daniel Weiß/Studio schwarzweiss

Gibt es im Zusammenhang mit Musik Sachen, die du überhaupt nicht ausstehen bzw. tolerieren willst?
Streitigkeiten in der Musik. Ich finde, in einer Kapelle bzw. in einem Verein, wo es um kein privates Geld und keine persönlichen Befindlichkeiten geht, darf es keine Streitigkeiten geben. Jeder muss jeden respektieren – Punkt! Ich bin in der glücklichen Lage, dass bei unserer Trachtenkapelle rund 60 Leute (inklusive sehr engagierter Marketenderinnen) mit aller Kraft an einem Strang ziehen, aber leider war das auch nicht immer so. Bei mir werden Kameradschaft und Zusammenhalt weit über dem musikalischen Erfolg gestellt.

Welche Charaktereigenschaften müssen MusikantenInnen haben, die mit dir in einer Gemeinschaft arbeiten?
Ich kann mit jedem Charakter umgehen. Was wäre die Musik ohne verschiedene Charaktere? Langweilig, monoton …! Natürlich ist es für einen Kapellmeister/Obfrau/Musiker die größte Aufgabe, all die verschiedenen Charaktere unter einem Hut zu bringen, aber man muss jeden Einzelnen respektieren und schätzen, sonst kommt es zu Spannungen und Problemen.

Hast du einen speziellen Wunsch an deine Musikkollegen? … die Bevölkerung? … die Gemeinde?
Ich kenne viele Kapellen, aber diesen Zusammenhalt, diese Emotionen, diese Freude an der Musik, diese Unterstützung, die ich wahrnehme, lässt mich wunschlos werden. Ich würde mich über traditionell viele Besucher beim Frühjahrskonzert von Bevölkerungs- und Gemeindeseite natürlich sehr freuen.

Wie heißt dein Traum?
Mein Studium so schnell wie möglich zu absolvieren. Mit Blick auf die Kapelle möchte ich bzw. unsere Kapelle gerne die Jugendarbeit weiter ausbauen. Wir können unsere Qualität nur langfristig gewährleisten bzw. auch heben, indem wir weiterhin viele junge menschen zur Musik bewegen können.
Mein privater Wunsch wäre eine Oboe im Orchester. Es ist das einzige Instrument, welches uns zur kompletten Besetzung noch fehlt.

 

QUELLE/KONTAKT:

Walter Widemair
Josef-Fräß-Ehrfeldstr. 4
9754 Steinfeld

Telefonkontakt: 0650/2044 244

E-Mail: 22011958ww@gmx.at