© Bildmotive: Pixabay, Noten: Wikipedia - Montage: Walter Widemair
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Wer eine der heurigen Steinfelder Narrenrevues besucht hat, wird sich mit Gewissheit an eine spezielle Situation erninnern: 250 Besucher stehen auf und singen mit Inbrunst, brüllen begeistert, trampeln und klatschen, dass es kaum fassbar ist. Von der Bühne erschallt „Dem Land Tirol die Treue!“„Wie gibt es sowas?“, fragte sich da der ein oder andere waschechte Patriot, „das ist ja Verrat, Fahnenflucht! Und sowas in Kärnten!“ Es soll mir als demjenigen, der die – mag sein schräge – Idee hatte, dieses Lied ins Programm aufzunehmen, ein herzliches Anliegen sein, einige Gedanken dazu zu äußern.

Florian Pedarnig, 1938 im Osttiroler Schlaiten geboren und mit erst 17 Jahren bereits Kapellmeister seiner heimatlichen Blasmusik, Waldhorn- und Kontrabass-Student am Tiroler Landeskonservatorium, Mitglied des Innsbrucker Sinfonieorchesters und der Stadtkapelle Wilten, ab 1980 als Nachfolger von Prof. Sepp Tanzer Landeskapellmeister des Tiroler Blasmusikverbandes …
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… ja genau dieser weit über die Tiroler Heimatgrenzen hinaus bekannte Musiker konnte nicht wissen, dass der von ihm in den 50ger Jahren komponierte, von Sepp Pedernig getextete und 1985 publizierte Marsch einmal ein Megahit werden sollte. Eine Erfolgsmelodie, welche die Menschen länderübergreifend und quer über alle Generationen erobert und heimlich sogar als neue Hymne gehandelt und verehrt wird:
„Dem Land Tirol die Treue” tönt es aus Autoradios, Handies und Diskotheken. Was ursprünglich ein reiner Marsch für Blasmusikkapellen war, ist mittlerweile der absolute Hit bei Alt und vor allem Jung.“ (…) „Es ist nur schwierig bis kaum zu erklären, wie ein Musikstück zum Hit wird und ganz und gar nicht nachvollziehbar ist, dass ausgerechnet ein Blasmusik-Marsch die Herzen bzw. Ohren von Teenagern erobert. Tatsache ist aber, dass dieser Marsch, ob in Originalversion oder als Remix, mittlerweile bei kaum einer Party fehlt. ‚Und wenn die patriotischen Klänge ertönen steht alles auf – rechte Hand aufs Herz – und dann werden die beiden Strophen lauthals mitgesungen’, schildern etwa Schüler an der Handelsakademie in Hall.“
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Ja, und so war es – wie ich glaube – wiederum gar keine so absurde Idee, dem Tophit auch einmal bei unseren stimmungsvollen Shows drei Stimmungsminuten zu erlauben. Gesagt … getan … die Gäste brachten den Steinfelder Kultursaal fast zum Beben.

Trotzdem …
… soll man sich offenherzig mit Kritik auseinandersetzen. Genauso, wie auch wir Mitglieder innerhalb der Gilde bei unseren Nachbesprechungen konstruktiv und quer über sämtliche Bereiche alles analysieren, was besprochen gehört. Vor allem auch jene Aspekte, die Anlass zu Veränderung geben und wo sich jeder von uns einen Leitspruch zu Herzen nehmen kann: „Der Feind des Guten ist das Bessere!“ Da tut es einfach gut, kameradschaftlich und zielbewusst, ehrgeizig und offen für alles, am eigenen Tun zu basteln, wobei im Falle von Verbesserungsvorschlägen niemand die beleidigte Leberwurst spielt … weil alle spüren und wissen, dass man in einem gemeinsamen Boot sitzt und in eine Richtung rudert.

Immer wieder und immer öfter …
… kann man, unabhängig von Ort und Zeit, erleben, dass Menschen bei privaten und öffentlichen Feierlichkeiten „Dem Land Tirol die Treue“ vom Stapel treten, sich dabei, wie bereits gelesen, sogar ans Herz fassen … als Steirer, Schweizer, Bayern und natürlich auch Kärntner. Das tun sie nicht, weil sie fahnenflüchtig geworden oder gar Verräter sind, sondern, weil ihr Herz, ihr Inneres, ihr Gespür und somit ihre Seele, von ganz alleine zum „Dolmetscher“ geworden ist und das Wort „Tirol“ einfach mit „Heimat“ ersetzt … das Lied somit zum eigenen Heimatlied macht, das mit Begeisterung gesungen wird … eben mit „Leib und Seele“. Wie schön doch!!!

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Wenn Tiroler ein Kärntnerlied singen …
… so klingt das zugegebenermaßen nur in seltenen Fällen so weich, warmherzig harmonisch, rührig und beseelt wie hierzulande … weil’s Tirolern eben nicht in die Wiege gelegt wurde, im „Fleisch und Blute“ ist. Landschaft, Geschichte, Tradition und menschlicher “Schlag” spielen dabei eine mitentscheidende Rolle. Und doch singt man in Tiroler Hütten und bei Geburtstagen, bei Vereinsfesten und in Stunden privater Gemütlichkeit  „I hob di gern“ und viele weitere wunderbare Melodien des Kärntner Liedguts. Wiederum nicht, um sich als Sänger zu profilieren, sondern einfach bloß darum, die eigenen Gefühle und Gedanken zum Ausdruck bringen zu können … weil man eben auch im „Land der Berge“ Heimweh, Sehnsucht und Wehmut verspürt, und das Kärntnerlied ist wohl wie geschaffen dafür, dies zu vermitteln. So tut der Ausflug eines Tirolers in die verehrte musikalische Nachbarschaft allen gut, weil man durch gefühlvolle Musik und die damit verbundene Begeisterung zueinander finden kann.

Genau das …
… ist beim „Land Tirol“ auch im heurigen Fasching – bei STEI 2019 – geschehen: Ein herzhaftes Miteinander im Sinne einer Fröhlichkeit, die Grenzen sprengt und Freundschaft nährt. So einfach ist das mit der Musik!

Kritik an alledem …
… darf ruhigen Herzens geübt werden. Diese ist nicht nur legitim, sondern vor allem wünschenswert … weil sie uns achtsamer und somit besser macht … weil sie uns weltoffener und somit toleranter macht … weil sie uns positiv verändert und vor Eigensinn und Kleinkariertheit bewahrt. Und genau das sind jene Qualitäten, die von jedem in einer großen Gemeinschaft eingefordert und benötigt werden.

Die Kritik am Allerorts-Gebrauch vom treuen „Land Tirol“ kommt auch nicht von ungefähr und unbegründet … wie man lesen kann: Experten gilt der für ein Volksmusikstück relativ junge Marsch als qualitätvoll. Er wird allerdings auch bei populären Events und in Festzelten gespielt, was wegen respektloser oder politisierender Zwischenrufe bisweilen zu Irritationen führt. Der Komponist empfahl deswegen einmal, dass der Marsch „bei bestimmten Anlässen nicht mehr gespielt wird“, etwa in alkoholisiertem Umfeld. Dennoch erreichte er 2017 den dritten Platz auf der von der Gemaerstelleten Liste der beim Oktoberfest  in München von Kapellen und Bands meistgespielten Musikstücke.“
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Und doch …
… sollten nach meinen ausführlichen Gedanken jene, die unsere Musikeinlage bei STEI 2019 nicht nachvollziehen konnten, auch einmal an die überwiegende Mehrheit denken, die den angesprochenen Spagat schaffte, den es immer gibt, wenn Menschen verschiedener Herkunft, Sprache, Kultur und Tradition aufeinandertreffen.

Tief berührt und beeindruckt …
… war ich beim Begräbnis unseres weitbekannten ehemaligen FPÖ-Landesparteichefs und Steinfeld-Bürgermeisters Franz Schwager, als am Ende der Abschieds-Feierlichkeiten „Dem Land Tirol die Treue“ von der heimischen Trachtenkapelle intoniert wurde. Es muss der beherzte, ja fast intime letzte Wunsch unseres Franz gewesen sein, all seine Herzlichkeit und Weltoffenheit in dieser von ihm geliebten Melodie ein letztes Mal wiederfinden zu dürfen. Ein Tiroler Hit beim Abscheid eines „Fleisch & Blut – Kärnters“ … die in diesem Moment von mir gefühlte Gänsehaut sprach für sich … und gab mir letzten Endes den Kick dazu, die wunderschöne und fesselnde Komposition von Florian Pedarnig auch auf der heimischen Narrenbühne stattfinden zu lassen. Ich denke, in diesem Sinne dürfen alle (gebürtigen und Wahl-) Kärntner auch in Zukunft ruhigen Gewissens singen:

„Du bist das Land, dem ich die Treue halte!“

 

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Walter Widemair
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