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Vor wenigen Tagen waren wir Nachbarn und eine große Schar von Freunden, Verwandten und Bekannten beim Begräbnis von Josef Pirker am idyllischen Greifenburger Friedhof. Ein Abschied, der nicht nur sehr traurig und nachdenklich, sondern vor allem demütig und dankbar stimmt.

Der Verstorbene war den Menschen in unserer Heimatgemeinde und auch außerhalb vielmehr als „Jaga-Sepp“ bekannt. Geschätzt als einer, von dem man wusste, dass er nicht viel auf dieser Welt brauchte, um glücklich sein zu können. Ob bei der Arbeit im Bereich der kleinen Landwirtschaft oder als frohsinniger Helfer beim „Jägerwirt“, Sepp wurde stets als besonnener, eher in sich gekehrter und rundum zufriedener Mensch wahrgenommen. Eine fast stoische Ruhe begleitete sein verschmitztes Lächeln, das der Außenwelt einen Blick in sein Herz erlaubte. Dort hatte sich die Liebe zu verschiedensten Dingen in seinem Leben eingenistet: Stall, Feld, die Viecher und vor allem der Wald. All das schien ihn zu erfüllen und ihm jene innerliche Ruhe zu spenden, die er dann als begeisterter Weidmann in vollen Zügen ausleben konnte. Immer wieder begegnete man ihm noch vor Sonnenaufgang, als er sich – mit einem cool Schmunzeln auf den Lippen am Lenkrad seines Jeeps sitzend, die Büchse im Kofferraum – auf die Jagd begab. Gerade so, als wollte er sagen:

Seht her, das ist mein bescheidener Reichtum,
und ich bin so glücklich dabei!“

Nicht nur uns Nachbarn und Bekannten war der „Jaga-Sepp“ ein hilfsbereiter und wertvoller Mitmensch. Es war vor allem unsere Jägerwirtin „Hella“, die ihm als langjährige treue und fürsorgliche Lebensgefährtin spürbar ans Herz gewachsen war. Aufeinander abgestimmt wie zwei Bausteine, die nahtlos gut zusammenpassten und einander schätzten, ergänzten und brauchten, gingen sie ihren gemeinsamen Weg. Für uns Außenstehende war es ein harmonisches Miteinander, bei dem man sich in Wort und Tat unter die Arme griff und über die Klippen in diesem Leben half. Seine Ausgeglichenheit, Lebensfreude und der kaum übersehbare Herzensfrieden hatten beim „Jaga-Sepp“ gewiss auch in der herzlieben Lebensgefährtin Hella ihren Quell und Ursprung.

Als eine Art „rustikaler Oberkellner“ war er im Gasthaus behilflich, wo immer seine Unterstützung gebraucht wurde. Zudem erledigte er Arbeiten beim Einkauf und war den Gästen ein unterhaltsamer Gastgeber. Schreiend oder laut polternd, das konnte man den Sepp wohl zu keiner Stunde erleben. Vielmehr als geselligen Teilnehmer an Gesprächen, die in seine Welt passten und bei denen er sich kompetent fühlte.

In einem ganz speziellen Fall erwies sich unser Nachbar Sepp in besonderem Maße als verantwortungsbewusster und wegweisender Gefährte. So soll er, wie man mir kürzlich schilderte, mit meinem Schwager René in dessen Kinderzeit (bis gegen Ende der Volksschule) fast tagtäglich einen beachtlichen Teil der Arbeits- und Freizeit verbracht haben. In vielen gemeinsamen Stunden wurde der Lausbub dieserart – mit allem Drum und Dran – in die naturverbundene Welt von Wald und Feld, Jagd und Landwirtschaft, eingeweiht. Wie schön, dass daraus eine bis in die Gegenwart bindende Freundschaft unter „Mandern“ erwachsen durfte. Dem „Lehrmeister“ noch heute ein herzliches Danke dafür!

Leider Gottes war es nur eine erschreckend kurze Zeit, die unserem verstorbenen Freund zu genießen vergönnt war. Im Juni wäre er 56 Jahre alt geworden, gesundheitliche Probleme mit dem Herzen rissen ihn über Nacht aus seinem noch so jungen Leben. Es ist nicht eine Lücke, die er hinterlässt, sondern vielmehr ein Loch im Miteinander. Gerade deshalb zeigten sich die vielen Trauernden beim Abschied sehr in sich gekehrt.

Umgeben von Sängern des MGV Steinfeld, einer Abordnung der Jagdfreunde inklusive Bläsergruppe und seiner Trauerfamilie, ging der Sepp seinen letzten Weg. Er wird uns in Erinnerung bleiben, in Wertschätzung für einen einfachen, beneidenswert friedvollen und bescheidenen Mitmenschen … in Dankbarkeit für seine Hilfsbereitschaft … in Respekt vor seinen liebenswerten Besonderheiten … in Gedanken an alle, die großen und auch kleinen, Glücksmomente, die er Anderen zu ermöglichen imstande war.

Hab Dank für deine Freundschaft und Hilfe, lieber Sepp.

Leb wohl und ruhe in Frieden!

 

QUELLE/KONTAKT:

Walter Widemair
Josef-Fräß-Ehrfeldstraße 4
9754 Steinfeld

Tel.: 0650/2044 244
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