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Es war einmal ein Mann, der suchte einen Arzt auf, weil er sich seit Monaten hundeelend fühlte. Die Untersuchung ergab keinen Grund dafür. Der Arzt behielt das aber für sich und fragte den Mann nach seiner Frau, seinen Kindern und seinen Arbeitskollegen. Da hörte er einen ganzen Schwall von Anschuldigungen und Klagen. Offensichtlich hatte sich die ganze Welt gegen diesen armen Patienten verschworen und alle wollten ihm schaden. Der Arzt konnte sehen, dass dieser Mann völlig am Ende war. So eröffnete er ihm mit ernster Miene seine Diagnose: Er leide an einer seltenen Krankheit, die zum Tod führt, und gegen die es nur ein einziges, sehr ungewöhnliches Mittel gäbe. Der Mann erschrak zutiefst. Im Angesicht des Todes war er bereit, alles zu tun und sei es noch so verrückt. Der Arzt ging zu seinem Medizinschrank, holte eine Packung Pflaster heraus und gab sie dem Mann mit den Worten: „In dieser Schachtel sind eintausend medizinische Pflaster. Nehmen Sie täglich fünfundzwanzig dieser Pflaster und schreiben Sie auf jedes das Wort „Danke“. Dann schauen Sie sich um und kleben die Pflaster auf Dinge und Gegenstände, von denen Sie meinen, Sie könnten dafür dankbar sein. Kommen Sie bitte in zwei Wochen wieder zu mir in die Praxis.“

Der Mann hielt dieses Heilmittel zwar für völlig verrückt, aber ihm saß die Angst vor dem Tod im Nacken. Lieber diese verrückte Therapie ausprobieren als sterben. Insgeheim zweifelte er an der Medizin, dachte aber: „Schaden wird es schon nicht. Und schlechter, als es mir momentan geht, kann ich mich gar nicht mehr fühlen.“ Also beschriftete der Mann täglich fünfundzwanzig Pflaster mit dem Wort Danke und klebte sie auf Gegenstände, die zur Bequemlichkeit seines Lebens beitrugen: auf sein Bett, seine Winterstiefel, seine warme Jacke, auf den Kühlschrank, sein Auto, den Staubsauger, die Badewanne … Nach einer Woche hätte er fast seinem Hund ein Pflaster auf die feuchte Nase geklebt. Da musste er herzhaft lachen – zum ersten Mal seit Jahren. Und plötzlich fielen ihm fünfundzwanzig Dinge ein, für die er dankbar war, die er aber nicht bekleben konnte. So schrieb er sie auf: die Stille der Nacht, das Knirschen des Schnees, das Lachen seiner Kinder, die Berührung seiner Frau, der Geruch von frischem Brot … Neben jede Eintragung auf seiner Liste klebte er ein Danke-Pflaster.

Beim nächsten Arztbesuch legte der Mann seine Liste stolz dem Doktor vor. Dieser zeigte sich hoch erfreut. Er untersuchte den Mann eingehend und verkündete ihm dann, dass die schlimme Krankheit zum Stillstand gekommen sei. Der Mann möge mit der Heilmethode fortfahren und die Dosis auf fünfzig Pflaster täglich erhöhen, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Er solle wiederkommen, wenn das Päckchen mit den Pflastern aufgebraucht sei. Nach knapp zwei Wochen kam der Mann wieder in die Arztpraxis, fröhlich pfeifend und mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Der Mann untersuchte ihn abermals und erklärte ihn für vollkommen geheilt. Daraufhin nahm der Mann das letzte Pflaster aus der Schachtel und klebte es dem Arzt auf die linke Brusttasche, dorthin, wo sein Herz für seine Patienten schlägt. „Danke,“ sagte er, „Herr Doktor, danke!“

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Walter Widemair
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